WIEDERSEHEN 2

„Letztes Jahr in ...“, Fotoserie / 29. Nov. 2016 bis 6. Jan. 2017

... bei der Fotoserie „Letztes Jahr in Marienbad“ von Eckard Alker. Auch hier haben wir wieder einen Block, der einen mächtigen Schlusspunkt setzt. Zu sehen sind 25 Digitalprints von Fernsehbildern. Eckard Alker gibt dazu folgende Erklärung ab: Er habe den Film „Letztes Jahr in Marienbad“ von Alain Resnais, eines der berühmtesten Werke der Nouvelle Vage, im Jahr seines Erscheinens 1961 erlebt und 2011 fotografiert. Offenbar hat ihn der Film damals sehr berührt. Was ist inzwischen geschehen? Sieht er den Film heute anders? Zwischen 1961 und 2011 liegen 50 Jahre. 50 Jahre, in denen sich vieles verändert hat. Auch die Wahrnehmung eines Menschen, ganz besonders, wenn es sich um einen Künstler handelt wie Eckard Alker, dem Maler, Grafiker und Fotokünstler. Sein eigenes Auge hat sich geschärft, vielleicht nimmt es Strukturen noch deutlicher wahr, feinste Nuancen, Schattierungen, Anflüge von Veränderungen.

Verändert haben sich natürlich auch die Medien. 1961 sah Eckard Alker den Schwarzweißfilm im Kino. 2011 im Fernsehen, immer noch in Schwarzweiß, aber in einer dem Fernsehbild eigenen Tönung, die er etwas intensiviert hat, so dass die Digitaldrucke eine leicht morbide Tönung von Grün in den Lichtern und Violett in den Schatten angenommen haben. Wie der Film hat sich auch die Technik bei Eckard Alker verändert. Digitalprint statt Druckgrafik. Was ist in dieser Umsetzung anders? Wie sieht es mit der vielbeschworenen Verflachung der neuen Medien aus? Durch das Flimmern des Fernsehbilds hat sich ein flirrendes Raster über die Bilder gelegt. Das schöne und geheimnisvolle Gesicht von Delphine Seyrig, der Hauptdarstellerin nicht nur in „Letztes Jahr in Marienbad“, sondern in vielen Filmen der Nouvelle Vague zu erleben, wird wie von einem zarten Schleier des Vergessens verschattet. Die Zeit, die Erinnerung und das Vergessen sind die Hauptmotive dieses Filmes.
Eckard Alker hat mit dieser Umsetzung eine sehr zeigemäße Interpretation der tatsächlich in die Jahre gekommenen, nun nicht mehr neuen Filmsprache der Nouvelle Vague gefunden, ohne das Geheimnisvolle aus diesem Film zu verbannen. Im Gegenteil, er hat mit seinem intuitiven Hineinfotografieren in den laufenden Film sehr subjektive Momentaufnahmen gesammelt, in die sich die Bilder des Films mit den eigenen Erinnerungen an das Erleben des Films als junger Mensch mischen. Gerade durch die Doppelbelichtungen und Unschärfen, die sich durch das Abfotografieren bewegter Bilder herstellen, wird die in der Zeit und im Raum entrückte, uneindeutige Stimmung des Filmes noch verstärkt. Die Ausweglosigkeit des menschlichen Daseins, die in diesem Film thematisiert wird, wird mit nur wenigen aber charakteristischen Motive in einer spannungsvollen Bildkomposition wie ein Konzentrat einer zutiefst menschlichen Erfahrung visualisiert.