Eckard Alker | Ausstellungen | Unruhe der Erinnerung
24. Februar - 12. März 2011

UNRUHE DER ERINNERUNG

Unbekümmerter Umgang mit der Tradition
Fotos / Digitalprints / Kopien

Vielleicht ein Zeitpunkt, die Schubladen im Atelier zu öffnen, die bis heute meine „Spielereien“ vor fremden Blicken bewahrten. Alle möglichen Dinge, die im Laufe der Zeit skizziert wurden, danach oft nicht weiter beachtet – gesammelt – notierte Fingerübungen, angereichert mit visuellen Energien, später aus meinem Blickfeld entfernt.

Blätter waren entstanden mit flüchtigen Ideen, als Zeichnungen , Collagen, Fotos, Objekte, mit Impulsen zur Findung meiner Bilderwelt. Erkundungen, die zum Beispiel klärten, was beim Motivwechsel von einem Medium in ein anderes geschieht . Bereicherung - Nuancierung - Zweifel. „Arbeiten vom Großen ins Kleine, vom Allgemeinen ins Besondere, vom Umriss zur Füllung, vom Kompakten zum Aufgespaltenen“, so notierte Paul Hindemith seine Arbeitsweise. Gedankenverlorener Blick auf diesen Fundus von „Erinnerungen“ . Jetzt bekamen sie eine Form für diese geordnete Ansammlung von geborgenen „Spielereien“.

„Die Erinnerung ist unsere Kultur. Sie ist die geordnete Sammlung unserer Gedanken. Nicht nur unserer eigenen Gedanken: sie ist auch die geordnete Sammlung der Gedanken der anderen Menschen, aller Menschen, die uns vorausgegangen sind. Die Erinnerung entstand in dem Augenblick, da der vertriebene Adam die Schwelle des irdischen Paradieses überschritt...Also entstand die Erinnerung, damit sich durch sie, von Mensch zu Mensch, der Wunschnach dem verlorenen Gut fortpflanze. Am Anfang war die Erinnerung verzweifelt. Aber als sich ihr ein Gott verliebt näherte, gesellte sich zur Erinnerung die Hoffnung: Aus der rohen und sehr schmerzlichen Erinnerung an das, was war, entstand der Wunsch, dass das, was war, wiederkehre. Zu diesem Wunsch kam eine ganz vage Hoffnung: Dank ihr wurde die leere Sehnsucht zur Tröstung... Die Kunst ist also aus dem fruchtbaren Schoß der Erinnerung hervorgegangen...

Und deswegen wird in der Kunst, und nur in der Kunst, die Erinnerung an das ursprüngliche Gut wieder ganz lebendig, deutlich, und wird noch einmal wunderbarerweise Gewissheit...

Die Erinnerung verschönert die Formen; sie erweitert sie nach allen Seiten über ihren gegenwärtigen Zustand hinaus. Durch die Erinnerung sehen wir, wenn wir die Bilder anschauen, das, was diese Bilder waren, und das, was sie sein werden; es ist die Poesie des Blicks.“
Alberto Savinio




Eindrücke

„Wir werden Künstler, Bildhauer“ sagt Louise Bourgois, „weil wir nicht erwachsen werden können.“ Sie richtet sich an das Kind im Künstler als den Bewahrer des Kreativen. Entsprechend definierte Baudelaire sogar den Begriff Genie als die „freiwillig wieder gefundene Kindheit“, die jetzt sozusagen über den zergliederten Geist verfüge, der ihm gestatte, die Masse des unfreiwillig aufgespeicherten Stoffes zu ordnen.
Katalogtext LB

Alle sprechen von der Malerei, ich spreche vom Leben. Man muss verrückt sein, man muss den Boden „Mann“ unter den Füßen verlieren können, um zu schweben und mit dem Leben Liebe zu machen. Was für eine schöne Frau und was für ein schöner, junger Mann zugleich ist das Leben!
Francis Picabia


Jede Fotografie ist eine Art memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (und Dinge). Eben dadurch, dass sie einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotogra-fien das unerbittliche Verfließen von Zeit.
Susan Sontag

Das eine, was man über Kunst und das Leben sagen kann, ist, daß Kunst Kunst ist und Leben Leben. Eine „Teil-vom-Leben” - Kunst ist nicht besser oder schlechter als ein „Teil-von-Kunst” - Leben. Die schöne Kunst ist kein „Mittel, einen Lebensunterhalt zu bestreiten” oder eine „Art, ein Leben zu leben”, und ein Künstler, der sein Leben seiner Kunst oder seine Kunst seinem Leben widmet, belädt seine Kunst mit seinem Leben und sein Leben mit seiner Kunst. Kunst, die eine Angelegenheit von Leben und Tod ist, ist weder schön noch frei.
Ad Reinhardt