
BLUMEN WILL ICH ICH WILL BLUMEN
Neue Arbeiten über ein altes Motiv
Blumenstücke / Landschaften / Sondergrafik
Zu Beginn des Studiums – Kölner Werkschulen – nach Wochen eine erstaunliche Übung. Selbst ein Stilleben aufbauen, um ein Bild zu malen. Auf diese Weise sah ich die einfachen Dinge, die aus Gewohnheit bekannt sind, in ihrer Wirklichkeit, die wir sehen und nicht erkennen. Die scheinbar fest gefügte Welt öffnete sich.
Ich erlebte einen bis dahin unbekannten Alltagsbezug.
Selten waren es Blumen, die Grundlage einer Komposition wurden. Dem damaligen Vorurteil/Zeitempfinden" von der allzu schönen Blume" konnte ich nicht
widersprechen. Die Annahme einer Schöpfung mit Blumen war nicht möglich. Blume als Projektionsfläche nicht vorstellbar. Was ich machen wollte, war mir damals noch nicht klar.
„Mich interessierte das Mehrdeutige, Ungewisse, die verblassenden Erinnerungen, die Wirrnis der Gedankenabläufe.” Ich wusste nichts von den Fleurs du mal und den Fleurs du bien, die mit großer Intensität von Künstlern ins Bild gesetzt waren. „Diese Bilder haben die größte Wahrheit ohne den Schatten der Wirklichkeit.”
Das christlich geprägte Vokabular der Blumensymbolik wich in der Zeit einer allgemeiner gehaltenen Bildersprache. „Nicht mehr Gott oder unser Vater werden angerufen, sondern die Mutter Natur.”
Mit einer fotografischen Vorlage entwickelte Andy Warhol durch den Siebdruck die Serialität des Bildes mit dem seriellen Motiv der Natur: der Blume.
Das Gefühl für die Kunst impliziert ein inniges Empfinden für die Dinge. Jetzt kann ich die „Blumensehnsucht”, von der Novalis spricht, empfinden.
Stéphane Mallarmé stilisiert in den „Blumen” die mystische Vorstellung der Idee. „Er zieht sich in die Einsamkeit zurück, um in aller Abgeschiedenheit die Blüten seiner Phantasie aufgehen zu lassen.”
Die Frühen – waren räumliche, rein aus der Phantasie entwickelte Landschaften. Linien und Farben ließen im alltäglichen Sinn des Wortes nichts Wirkliches zu. Diese Darstellungen wandten sich mehr an die Phantasie als an den Verstand und gaben sich selbst Regeln.
Die Späten – entwickelten sich auf dem Weg der Wahrnehmung und der Erfahrung.
„...je mehr wir die Kunst studieren, desto weniger kümmert uns die Natur.”
Es geht um die menschliche Realität, in der sich Bilder und Denken berühren. Diese zu sehen setzt eine offene, nicht ideologische Wahrnehmung vor-aus.
Das Geheimnis dieser Landschaftsbilder erklärt sich durch die Bilder selbst,
„wie sie uns im ersten, im einzigen wahren Augenblick erscheinen, in dem unser Verstand noch nicht eingegriffen hat, um uns zu erklären, was die Dinge sind, und in dem wir noch nicht an die Stelle des Eindrucks, die Begriffe setzen, die wir von ihnen haben.”
Die angeborene Fähigkeit, etwas durch die Augen zu begreifen, ist eingeschläfert worden und muß erst wieder geweckt werden.
Der programmatische Hauptsatz von Rudolf Arnheim lautet schließlich:
"Alles Wahrnehmen ist auch Denken,
alles Denken ist auch Intuition,
alles Beobachten ist auch Erfinden."
Wilhelm Worringer schrieb über ein Bild von Carlo Carrà "...alles kommt hinzu, um diesem stumm wartenden Sein der Dinge eine immanente Macht des stillen Ausdrucks zu geben, dass man den Atem wie vor etwas Tiefereignishaftem anhält. Zwingend tut sich dem Gefühl das Geheimnis dieses Bildes kund...nicht weil eine italienische Landschaft dargestellt ist, sondern weil die Landschaft italienisch dargestellt ist."
So entwickelt sich die Sinnesempfindung Bild für Bild.
Die Art und Weise, wie sich die Geschichte in der Landschaft verbirgt, korrespondiert mit der Funktionsweise unserer Erinnerung. Beobachtungen, die scheinbar unauslöschlich in unser Gedächtnis eingeschrieben sind, verblassen allmählich und werden unzutreffend. Diese Entwicklung wird auch in der Landschaft sichtbar.
„Ich denke daran,
mein Atelier mit einem halben Dutzend Bildern
von Sonnenblumen auszuschmücken”
Vincent van Gogh
Sehen Sie dort hinten Ihr „Bild”?
Ich habe es in diesem Zimmer gemalt.
Giorgio Morandi
Die Stille nimmt den Umriß einer Schale an, einer Flasche, einer Kanne, eines Zwischenraums, der einen Gegenstand vom anderen trennt, eines Schattens als Echo des Lichts
Walter Helmut Fritz
Ich habe meine persönliche Definition der Schönheit gefunden. Sie ist leidenschaftlich, traurig, leicht ungewiß und läßt freien Raum für Vermutungen. Charles Baudelaire
Für Balzac und Dumas sind die holländischen Tulpenzüchter des 17. Jahrhunderts Inbegriff jener verwegenen Alchimisten, welche es dem Schöpfer gleichtun und eine künstliche, in der Natur nicht existierende Blume züchten wollen.
Robert Kopp
Eine Blume, wenn ich sie nicht in meiner Erinnerung wieder sehe, erfinde ich einfach. Das ist nicht eine Erfindung, um die Natur zu vergessen, das ist eine Erfindung, um sie zu sehen.
Henri Matisse
Rose is a rose is a rose is a rose Gertrude Stein
Es gab vielleicht eine erste Vision, die in der Blume versucht wurde.
Odilon Redon
...indessen hat es den Anschein, als würde der Mensch blinder, je mehr er sieht. Denn eigentlich kann er sich nur dem nähern, was er liebt, und nur das vermag er wirklich zu erkennen. Die blinde Hand, die voller Liebe eine Blume ertastet, sieht sie besser als das Auge, das ganze Gärten gleichgültig registriert. Die Welt ist in ihrer Messbarkeit erweitert, in ihrer Innigkeit verkleinert worden.
Günter Eich
War für Dürer die Natur die höchste Instanz, die alles Existierende, somit auch die Kunst in sich trägt, so verstand Paul Klee die Kunst als Grundlage zum Verständnis der Natur bzw. der Wirklichkeit.
Unbekannt
Früher, da ließ ich bei meinem Spaziergang mein Stöckchen pfeifen, köpfte, was sich lang hervorgewagt hatte, trat platt, was unter meinen Schuh geriet. Das Kleine, das Unscheinbare, das Anonyme.
Siegfried Lenz
Was die Maler interessiert, ist die Natur, ist endlich die Landschaft selbst, nicht ihr Funktionieren als Trägerin von Ideen, nicht ihre Indienstnahme zur Demonstration. Kein Arkadien, keine Heroik, keine Staffagen, kaum Symbolisches.
Brigitte Kronauer
Der Mensch und Künstler Olivier Messiaen lösche sich selbst in seinen Naturbeobachtungen fast vollständig aus, er schreibt nicht Naturlyrik im romantischen Geiste, bei der sich das Individuum in seiner Einsamkeit in die Natur projeziere.
Die Natur bleibe bei Messiaen mit sich allein.
Th. Hirsbrunner
Wir werden bei jedem Schritt begleitet von Vorgängern, Vorbildern, denen wir das Gehen abgeschaut haben. Der Urmensch mag bei jedem Schritt gezittert haben. Der Mensch von heute zitiert bei jedem Schritt...
Peter Kümmel






