Eckard Alker | Ausstellungen | Um im Bild zu bleiben
17. März - 02. April 2011

UM IM BILD ZU BLEIBEN

Inszenierte Weiblichkeit / Capriccios
Digitalprints / Ölbilder

Als Francisco de Goya die Aquatinta Radierung „Das ist die Wahrheit, Esto es lo verdadero” gestaltete, hatte er Tintorettos Bild gesehen „Junge Frau, die ihren Busen entblößt”. Das Rätselhafte dieser Geste in Goyas Radierung, war der Ausgangspunkt meiner gewählten Bildzitate. Auf differenzierte Weise wird diese Bewegung in den von mir vereinnahmten Bildern entdeckt. Diese Bildfindungen bezeichnete Goya gern als „Launen”, sollte ich sie auch so nennen, um sie von aufklärerischen Aussagen zu entlasten? Der weibliche Akt ist in meiner Arbeit ein neues Element. Die Variationen des Motivs durch die Zeiten resultieren aus den verschiedenen Ansichten gegensätzlicher Künstler. Bei der Suche und Eingrenzung war der besondere Moment bestimmend. „Er ist das Ergebnis geduldigen Wartens, eines Wartens sowohl auf den zu erfassenden Moment als auch auf jenen, in dem das Gesehene, Verstandene und Gefühlte, die innere und die äußere Vision in Einklang gebracht sind.” Anne-Marie Bonnett

Für die Arbeitsweise meiner Aneignungen, Schöpfungen anderer zu nutzen, nicht nach ihrer Herkunft zu fragen, sondern ihren Gebrauch zu entdecken, gibt es den Begriff „Appropriationskunst”. Beispielhaft praktiziert von den Expressionisten mit ihrer Vorliebe für „primitive” Masken, Duchamps „Ready Mades”, Warhols „Brillo Boxen”, Ed Ruscha, Koons, Baldessari, Prince, …









Der Begriff „Capriccio” wurde von Jacques Callot eingeführt, der eine 1617 entstandene Serie von Radierungen „Capriccio di varie figure” nannte. Capriccio – das heißt Laune, Einfall, Phantasie und handelt von Spielformen schöpferischer Subjektivität. Mit ihm verbinden sich ungewöhnliche, heitere und phantastische Themen und Gestaltungsformen in der bildenden Kunst, Musik und Literatur. „Das Spielerisch-Heitere, aber auch das dämonische Repertoire von unheimlicher Magie und den Schrecken des Krieges fanden hier in grafischen Folgen zu einer eigenen und ungewöhnlichen Wirklichkeit des Bildes.”
Werner Busch

„Capriccio ist ein vertrauter Topos, der die Erwartung des Betrachters auf Ungewöhnliches lenkt, das keine Regeln kennt, auf Einfälle, die verblüffen. Der Ablauf der Capriccios folgt dem Prinzip der Collage.”
Werner Hoffmann

Alle Gattungen übergreifend, stand das Capriccio für die Findigkeit der Kunst und das Schöpferische im Künstler und Betrachter. Freie Phantasie und Variation, die Kombination realer und fiktiver Elemente machen seinen Reichtum, aber auch die Schwierigkeiten des Begreifend aus. Werner Busch Diese farbintensiven Kompositionen reduzieren sich auf wenige Formen, die variationsreich in eine begrenzte Fläche komponiert sind. Bei dieser Arbeit dachte ich an Comedia dell‘Arte, Artisten, Gaukler, Zirkusphantasien. In ihrer Verwirrung fixierte ich den Augenblick – den Moment zwischen Traum und Wachen. „Das Sehen braucht einen Halt, der umherschweifende Blick wird zurückgewiesen auf die der Wirklichkeit zugesprochene Ordnung.”
Christa Karpenstein


Eindrücke
Einführung Dr. Euler-Schmidt

Ovid hat in seinen Metamorphosen die Geschichte beschrieben. Die Faszination des Blicks auf den schönen weiblichen Körper, „also die erotische und erotisierende Attraktion lustvollen Hinblicks.” Das Buch der Mythen und Verwandlungen erzählt von Diana und Actaeon / Aktäon „und zwar jenen Moment, da er die unverhüllte Schönheit der Diana entdeckt. Er muss sterben, weil er gesehen hat, was kein Mensch sehen darf – die Göttin Diana in ihrer Erscheinung als nackte Frau. … weil es ihm mit seinem Blick und ihrem gegenseitigen „Blicktauschen” gelungen ist, in ihr ein menschlich – erotisches Begehren auszulösen.
Beat Wismer „Epitaph für Actaeon”

Sie meint, ihre Nacktheit, ohne dass sie ihre Augen bedecke, könne ihm nicht vollkommen erscheinen. Denn man erblickt niemanden, der einen anblickt. Weil der Blick den Anblick stört … … und das Auge sich nicht darbieten kann wie der Leib. … Vollkommene Schönheit sieht sich fortwährend gesehen. Sie lebt, sie atmet in einem Äther von Gesehen werden. In sich unausgeschaut, gehen aber die meisten heute. Hässlich ist nur die, die sich nicht vor geheimen Augenpaaren bewegt.
Botho Strauss „Bewusstseinsnovelle”




Der Maler hat nur einen Blick, jenen den er festhält: Gilles. Er steht da, füllt das Bild aus, fremd und betäubt steht er einfach da. Er hat nichts zu erzählen, gibt es jedoch von dort, woher er kommt, nichts zu erzählen. Schweigend lenkt er den Blick auf das, was unmöglich scheint, das bloße intentionslose Sein. Reiner Körper ohne Spuren von Geschichte. Unbeschrieben – Gilles. Der Komödiant ist im Zentrum. Aus der Comedia dell‘Arte mit ihrem realen Spiel ist er hinübergetreten. Außerhalb der Szene gelingt ihm die Verwandlung. Von der Figur des Spotts in die der Unschuld.
Günter Bose / Erich Brinkmann

Keine Tiger, keine Pferde, keine dressierten Hunde. Den neuen Zirkus beherrscht allein der menschliche Körper. Mit ihm erzählen die Artisten Geschichten von Verzauberung und alltäglicher Qual, von der Magie der Manege und vom kindlich staunenden Blick auf die Welt.
Unbekannt

Der Maler hat nur einen Blick, jenen den er festhält: Gilles. Er steht da, füllt das Bild aus, fremd und betäubt steht er einfach da. Er hat nichts zu erzählen, gibt es jedoch von dort, woher er kommt, nichts zu erzählen. Schweigend lenkt er den Blick auf das, was unmöglich scheint, das bloße intentionslose Sein. Reiner Körper ohne Spuren von Geschichte. Unbeschrieben – Gilles. Der Komödiant ist im Zentrum. Aus der Comedia dell‘Arte mit ihrem realen Spiel ist er hinübergetreten. Außerhalb der Szene gelingt ihm die Verwandlung. Von der Figur des Spotts in die der Unschuld.
Draußen in der Manege hat das Leben keine Schatten, nur Spiegelungen und Empfindungen von Liebe, Ruhm, Aufstieg und Glück. Sie sind so trügerisch wie die trüben dunklen Farben des Zirkus im Film.
Gunther Bose / Erich Brinkmann